about
Johannes Buss was born in Metelen, a small town in North-Western Germany. He studied fine arts in Enschede in the Netherlands, where he graduated with a degree in Mixed Media in 1998. During an exchange to the Emily Carr Institute of Art and Design in Vancouver in 1997 he studied at the department Intermedia. After graduating he moved to Berlin in 1999 where he started of working with the collaborative performance art project HIGH END. They were invited a.o. to the Akademie der Kuenste Berlin and the Barbican Art Centre in London. Furthermore he was part of the artistic team for the art project Mindmapping in Frankfurt, Dresden and Berlin. In 2002 he initiated the art project Concept Shop black on white in Berlin, Amsterdam and Karlsruhe. In 2004 Buss was invited to be artist in residence at the Fordsburg Artists Studios in Johannesburg and in 2005 he joined the Dutch artists foundation Het Wilde Weten in Rotterdam for a working period of 3 months.
Buss artistic output consists of works in various media. Buss often extracts imagery, objects and texts of popular culture, politics and economics out of their original context and alters and recombines them in form of installations, sculptures, and drawings. His works can be read in a critical way, but also in a humorous and sometimes ironic way. Formally his work can be described as conceptual pop art.
Besides Buss practice as an independent visual artist, he regularly collaborates with musicians, stage designers, fashion designers and has taught workshops in digital arts. Furthermore he works freelance for the museum of contemporary art Haus der Kunst in Munich. Buss has exhibited a.o. at the Barbican Art Center, the Johannesburg Art Gallery, the Badischer Kunstverein Karlsruhe, the Staedtische Kunsthalle Lothringer 13 Munich and the German Embassy in London.
Christiane Wohlrab ueber das Werk von Johannes Buss
Johannes Buss interessiert sich Ufer die Uebersetzung soziokultureller Phaenomene unserer Gegenwart in aesthetische Zusammenhaenge. Der Ausgangspunkt Ufer seine Arbeit koennen konkrete Ereignisse oder Personen der Zeitgeschichte sein, oder einfach ein Alltagsobjekt, das zum Ankerpunkt Ufer treibende Assoziationen wird. Auffaellig ist die Faszination fuer Schwellenmomente oder Umschlagpunkte. So koennen scheinbar beilaeufige Situationen sich als doppelboedig erweisen, und Harmlosigkeit und Horror dicht beieinander liegen.
Das Werk unterteilt sich formal in zwei auf den ersten Blick unabhaengige Bereiche: einerseits raumgreifende Skulpturen und Installationen, und andererseits zweidimensionale Portraits auf Papier. In die juengsten Arbeiten, die Skulptur, Sound und Performance kombinieren, tritt Buss selbst auch als Akteur ein, um ein Objekt mittels simpler, rituell anmutender Handlungen zu platzieren und um das Werk zu vervollstaendigen.
Immer ist es Material, das nicht aus der Kunst selbst kommt, sondern aus den Medien, aus Politik, Wirtschaft oder Populaerkultur. Das koennen Alltagsobjekte sein, Kleidung oder Werbetexte, die Buss verfremdet und in neue Zusammenhaenge stellt. Dabei entsteht im Idealfall mehr als die Summe der einzelnen Teile: Es geht um die Faszination, disparate Elemente zusammenzufuegen, die eine neue Realitaet kreieren. Wie die Rauminstallation Floating Past the Evidence of Possibilities (2010), in der ein transparenter Overall, in Ketten gefasste Basketbaelle und democracy-Turnschuhe in einer raetselhaften Schwerelosigkeit vereint sind. Oder der puristische, bunkerartige Raum the Options are blocked (2009) mit 60 IKEA-Badematten unter Goldlicht, in dem Oval auf Oval antwortet, oben auf unten, begleitet von einer Soundspur mit den auf franzoesisch gesprochenen Sicherheitshinweisen der IKEA-Matte, durch die der Ort Bunker ganz anders wahrgenommen wird. Mit IKEA-Artikeln oder dem Spalding Basketball waehlt Buss globalisierte Massenprodukte aus, die omnipraesent sind und eine aehnliche Funktion einnehmen wie Coca-Cola Ufer die Pop Art. Es wird ein Transformationsprozess in Gang gesetzt, der gewoehnliche Gegenstaende in abgruendige Vexierbilder verwandelt. Das kann lediglich eine Farbaenderung sein, etwa die geschwaerzten Rettungswesten, die ihrer Signalfarbe und damit ihrer Funktionalitaet beraubt sind (Federal Offense, 2010), oder ein Anzug, der vergoldet zu einem umgekehrten Ikarus wird (Golden Gestures, 2010). Oft sind es nur minimale Eingriffe: Etwa Turnschuhe, denen das UN-Logo aufgesprayt wird, und die so zum politisch korrekten Markenartikel werden, der erst auf den zweiten Blick irritiert. Regelmaessig ist die schwarz-rot-goldene Farbtrias ein Subtext der Arbeit und damit die deutsche nationale Identitaet. Und immer wieder zeigt sich als sublimes Element die Farbe Gold, meist in fragiler Konsistenz als Folie, duenne Lamellen oder zweite Haut ueber den Dingen. Das Gold verleiht ihnen eine aetherische Gewichtslosigkeit und erscheint manchmal auch in Verbindung mit einem religioes anmutenden Moment der Elevation. Die Arbeiten wollen kein Kommentar sein, keine Kritik, sondern ein Drittes: eine freie, uneindeutige Inszenierung von Wirklichkeit, bei der realitaetshaltige Elemente verlorengehen und neue, absurde oder magische hinzukommen. Bei allem Ernst bewahren sie eine Leichtigkeit, die jedoch nie ins Ironische umschlaegt.
In der zweiten Werkgruppe, den ikonenhaften Portraits auf Papier, setzt sich dieses Konzept schluessig fort. Unter der grellen Oberflaeche, die Elemente der Pop Art, Karikatur und Groteske vereint, oeffnet sich ein Panorama der westlichen, US-amerikanisch dominierten Kultur der letzten 50 Jahre. Die flaechigen, maskenhaften Bilder entstehen auf Grundlage von Fotos und erinnern in ihrer Farb- und Perspektivenwahl ein bisschen an handgemalte afrikanische Werbeplakate. Sie zeigen Figuren aus Politik und Pop, aus der schwulen, farbigen oder feministischen Kultur, Terroristen, Terroropfer, und es geht um die Frage, wie man diese Personen, deren Gesichter uns als Medienbilder meist bekannt sind, darstellt. Um die Vorstellung, die man sich von ihnen macht. Buss antwortet mit schriller Ueberzeichnung, und traegt tragische oder bezeichnende Details ihrer Geschichte mit ins Bild: Der schwule Politiker Harvey Milk, der das Antlitz seines Moerders auf dem Revers traegt (the Harvey Milky Way, 2011) oder Uwe Barschel, dessen Obduktionsbild ihn als serielle Tapete rahmt (Mensch Uwe!, 2011). Oft sind es widerspruechliche Charaktere, schoene junge Attentaeterinnen oder die verschleppte Millionaerstochter Patty Hearst, die sich spaeter ihren linksradikalen Entfuehrern anschloss (Patty Hoerst Du uns?, 2010). Das ueberformte Medienbild wird zum ueberindividuellen Typ, und dennoch entsteht eine zutiefst subjektive Portraitgalerie, die uns bestimmte Personen und ihre Geschichte ins Bewusstsein ruft.
Hier wie dort macht Buss keine eindeutigen Aussagen. Die Darstellung bleibt in der Schwebe, klagt nicht an und gibt keine Resolution. Zwar nimmt er zu seinen Themen und Stoffen eine kritische Haltung ein, doch geschieht das nie vordergruendig, sondern implizit. Es geht um die grundsaetzliche Frage nach der Wahrnehmung historischer oder kultureller Phaenomene, und um die immer zweifelhafte Wahrheit, die je nach Lichteinfall grell aufleuchtet oder in beilaeufigen Details verborgen bleibt.
Christiane Wohlrab (2011)